Henriette - Allein unter Wachteln

Mein Name ist Henriette und das ist meine Geschichte. Meine Rasse nennt sich Welsumer Huhn und ich bin ein Zwerg. Ich bin am 1. April 2024 geschlüpft und das ist kein Aprilscherz. Über meine Kindheit will ich nicht viel sagen. Es war eine Schlacht ums Essen und wer der Stärkste ist. 

Zum Anfang meines neuen Lebens war ich mit meinen Geschwistern in einen großen Verkaufsraum. Es ist Juli und viele andere Tiere sind da, die sich für die Menschen präsentieren. Vorwerkhühner, Cochins und Wachteln bemühen sich um ihre Aufmerksamkeit. Die meisten kriegen aber die Perlhühner, die so einen Krach machen. Clockacht, Clockacht. 

Doch ein Mensch kommt auf uns zu, mir und meine 3 anderen Schwestern. Sie holt die Verkäuferin und zeigt auf mich. Wir gucken uns in die Augen und ja, ich glaube diesen Mensch kann ich akzeptieren. Ich komme in einen Käfig und in den Kofferraum. Von vorne höre ich immer wieder ,,Henriette, es wird alles gut“. Henriette, ist das mein neuer Name! Doch ich könnte mich daran gewöhnen. Aber ich bin nicht alleine. Drei kleine Hühner sind noch bei mir. Ich dachte ich bin schon klein, aber die sind die Hälfte von mir. Auch sie sind aufgeregt, wo kommen wir wohl hin? 

Die Stimme von vorne sagt freundlich ,,Henriette, du wird’s dich schon wohl fühlen, in deiner neuen Herde, zusammen mit deinen Wachtelgeschwistern“. Ach so, das sind also keine Hühner, das sind Wachteln. Dann bin ich die größte von allen, toll. Ich versuche mit ihnen zu reden, doch ich verstehe sie nicht. Sie scheinen eine andere Sprache zu haben. 

Nach Ewigkeiten hält das Auto und die Kofferklappe geht auf. Die Sonne blendet so und andere Menschen gucken uns an. Schnell werden wir, samt Käfigen rausgeholt und in unser neues zu Hause gebracht. Wir stehen vor einer großen Voliere und ein großes Tier kommt auf mich zur. Die Menschen nennen es Hund. Mit den großen Augen guckt es mich an und diese riesigen Ohren. Und er wedelt mit seinen Schwanz, was er von mir wohl will? 

Die Wachteln werden zuerst rausgeholt, jeder kriegt einen Ring um sein Bein. Was das wohl soll? Hoffentlich muss ich nicht so einen Ring tragen. Der Mensch nimmt mich aus den Käfig, die anderen nennen sie Steffi, sie unterhält sich mit mir. Freundlich sagt sie „Henriette, das ist dein neues zu Hause, ich hoffe es gefällt dir. Mit den Wachteln kommst du bestimmt zurecht“ und gibt mir einen Kuss auf den Kopf. 

Sie setzt mich rein und die anderen Wachteln gucken mich an, nicht die drei, die mit mir kamen. Es sind noch vier andere da. Ich fühle mich ein bisschen fehl am Platz, wo sind nur meine Schwestern? 

Aus den Loch in Mauerwerk kommt noch eine Wachtel, sie sieht ein bisschen anders aus, heller. Sie kommt auf mich zu mit gesenkten Kopf. Was will sie nur? Eine meiner Mitfahrenden schreit mir zu „Nimm dich in acht, das ist ein Hahn. Der ist Böse“. Wieso verstehe ich sie plötzlich? Der Hahn nährt sich und ich entscheide mich, Größe zu zeigen. Doch der Hahn pickt auf mich ein, weit oben kommt er ja nicht an. Aber so ein penetranter Hahn geht nicht. Ich entschließe mich die Flügel anzusetzen und auf das Häuschen in der Nähe zu fliegen. Gut, das er hier nicht herkommt. Also bleibe ich den restlichen Tag hier. 

Nun setze ich hier oben, immer wieder kommt dieser doofe Hahn und will was von mir. Ich kann doch nicht immer hier bleiben? Doch die anderen Wachteln haben Mitleid und sagen mir immer Bescheid, wenn er nicht da ist. Dann kann ich runter und endlich was trinken. Meine Menschen haben mir ja schon Futter hingestellt, aber kein Wasser, das brauche ich doch auch. 
Es reicht, eine Woche bin ich hier schon oben. Der Hahn kann was erleben, er lauert unten auf mich, ich weiß, dass ich größer bin und mache mich bereit. Krallen voran und direkt auf ihn zu. Das hat er nicht kommen sehen und ich begrabe ihn unter mir. Er kann sich befreien und flieht. Das geschieht dir Recht. Und ich habe endlich mehr Freiheiten. 

Nun stehe ich hier, hinter mir Samy, der Wachtelhahn. Der nach meinen Angriff überlegt, ob er es noch einmal wagen soll, mich zu Unterwerfen. Vor mir der Hund der Familie,der mir was sagen will. Doch ich verstehe ihn nicht. Gut, das ein Gitter zwischen uns ist. Vielleicht will er mich auffressen, ich bin doch noch so Jung. 

Nach ein paar Wochen darf ich endlich auf den Hof, mich umsehen. Was es hier wohl zu entdecken gibt? Unter den Baumstamm sind seltsame Käfer, ob sie schmecken? Ich probiere einen, Hmmm. Das schmeckt ja wie ein Mehlwurm, den es regelmäßig von der Mutter der Familie gibt. Und da ist noch einer, ich schlage mir den Bauch voll. Die Menschen erkläre mir, dass es Kellerasseln sind, die kann es auch öfter geben!